Gastbeitrag: Sarah - Let it go

Mittwoch, 24. August 2016 |


„Und ich wusste, es ist an der Zeit, diese vollgepackte Truhe zu schließen und ihr den Rücken zu kehren. Den Schlüssel an einem sicheren Ort zu hinterlegen; ein Ort, bei dem ich wusste, ich werde ihn nie mehr aufsuchen.

                                                                                                                          
Sie ist randvoll und schwer, diese Truhe. Ihr Inhalt ist von unschätzbarem Wert und doch wiegt sie zu schwer um sie weiterhin mit sich zu tragen. Und nun ruht sie dort, an dem einen Ort, mit ihrem prachtvollen Schatz. Dieser schimmert hell und glänzend, und doch auch verblasst und gezeichnet von feinen Flecken. Diese Truhe beherbergt vieles und scheint eine endlose Tiefe zu haben. Sie hat sich all dem angenommen, was es Wert ist, aufbewahrt zu werden, sei es schlecht oder gut, prägend oder ereignislos: Tränen der Freude und Wut, Worte der Liebe und des Hasses, Lachen der Glückseligkeit und des Verachtens, Umarmungen der Zärtlichkeit und der Verzweiflung, Blicke der Nähe und der Leere, Küsse der Liebe und des Lebewohl,… . Was sie einmal eingeschlossen hat, gibt sie nicht mehr her. 




Und immer wieder ist da dieses Kribbeln im Bauch, diese Aufgeregtheit wenn man sich vor ihr niederkniet und es kaum erwarten kann, ihren Deckel zu öffnen und in dem Schatz rumzuwühlen und alles noch einmal aufleben zu lassen: Diese eine Umarmung, die am besten nie hätte enden sollen; dieser besondere Urlaub mit den Liebsten; der schreckliche Streit mit einer Wendung im Leben; den einen besonderen Brief, der mittlerweile tausend Falten hat; diesen einen lustigen Moment; den anderen Moment, der alles veränderte; dieses fröhliche und lauthalse Lachen, was heute noch in den Ohren klingelt; die vielen Fotos, die die Zeit stehen lassen; der Gedanke, der einen lange auf Trab hielt; die Entscheidungen die über alles und nichts entschieden haben; dieser Schmerz, der tief sitzt; das Buch, das mittlerweile einen brüchigen Rücken hat; diese Erinnerungen an Menschen, die dich für lange Zeit begleiteten;… .  
                                                                                     


Trotz all dieser wertvollen Einzelheiten, wiegt diese Truhe zu schwer, um weiter mit auf Reise zu gehen. Es ist Zeit, sie ziehen zu lassen. Los zu lassen. Sie so ruhen zu lassen wie sie ist. Und einfach das neue Gefühl der Leichtigkeit und der Freiheit zu genießen.“

wie immer: 
Text: Sarah
Bilder: ich

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