Freitag, der 13.

Samstag, 14. November 2015 | 8 Kommentare

Es ist Freitag der 13. Ein ganz normaler Freitag. 

Ich verschlafe morgens, ein bisschen, aber nicht zu sehr. Ich lache darüber. "Freitag, der 13.", scherzen wir auf der Arbeit, "da kann so etwas ja nur passieren". Abends haben wir ein Punktspiel. Es ist wichtig, wir wollen gewinnen, wir können gewinnen. Und dann laufen wir den Punkten hinterher, alles ist gegen uns. Der Blick immer wieder auf die Spielstandsanzeige, die scheinbar gegen uns läuft. Wir wollen doch so sehr gewinnen, aber es funktioniert einfach nicht. Am Ende dann die Punktteilung, 7:7, es hätte schlimmer kommen können, aber es ist eben kein Sieg, diese 7:7. Es reicht einfach nicht und wir ärgern uns über uns selbst, über den Abend, über Freitag den 13. und ja, eigentlich über alles. 
Und während wir noch in der Kabine sind und zwischendurch ein bisschen lachen und ein bisschen nörgeln erreicht uns die Nachricht. Noch ist keinem von uns das Ausmaß bewusst aber spätestens als wir im Auto sitzen und das Radio lauter drehen, um die Nachrichten zu hören, läuft es uns eiskalt den Rücken runter. 7:7 ist nur eine Zahl, eine verdammte Zahl irgendwo auf einem Blatt Papier, die wohl unwichtiger nicht sein könnte an so einem Abend. 
Paris. 
Anschläge. 
Viele Tote, Verletzte, indirekt Betroffene, Verängstigte. 
Und in unseren Köpfen immer wieder diese Frage, auf die wir keine Antwort finden können. 
WARUM?


Da treffen sich Leute verschiedener Nationen, um gemeinsam Fußball zu spielen. Ein bisschen so wie  wir an diesem Abend, nur wesentlich größer und bekannter natürlich, sie wollen gemeinsam Sport machen. Da kommen zig Tausende Menschen zusammen, um gemeinsam den Abend zu verbringen. Wild fremde Menschen liegen sich in den Armen, weil die eigene Mannschaft ein Tor geschossen hat. Gemeinsamer Jubel, gemeinsame Fangesänge, so viel Freude. 
Und zwischen all der Freude dann all die Angst. Da sind viele Menschen, die das Gute wollen an einem Abend. Und ein paar wenige Menschen, die dieses Gute zerstören mit ihren Taten. Ein paar wenige Menschen, die so viel Zerstörung anrichten. 
Aus einer Nacht, die so gut anfing, aus einem Freitag, der ein ganz harmloser Freitag der 13. sein zu schien, wurde ein nicht endendes Bild des Horrors. Es gibt so viel Schlimmes an diesem Abend. So viele Tote und Verletzte und so viele Menschen, die ihr Leben lang leiden werden, entweder weil sie das Gesehene nie werden verarbeiten können oder weil sie wichtige Personen verloren haben. So viel Unsicherheit, nicht nur in Frankreich sondern auf der ganzen Welt. So viel Chaos durch diese Taten. Und vor Allem eines: so viel Angst, überall. ANGST.

Alles was bleibt zwischen all dem Unverständnis, zwischen all dem Leid ist die Angst. Ich will nicht urteilen, über die all die furchtbaren Verluste. Ich will nur sagen, vielleicht ist die Angst ähnlich schlimm. Die Angst, die vielleicht einem ganzen Kontinent den Atem stocken lässt. Denn dies geht nicht nur eine Nation etwas an, das war ein Zeichen für alle. Und die Auswirkungen sind so viel größer, als es an der Oberfläche sichtbar ist. 
Die Angst schnürt uns die Kehle zu, sie ist stark. Die Angst, dass jeder von uns weiß, es könnte jeden von uns treffen, jederzeit, an jedem Ort. Jeder von uns weiß, dass so etwas passieren kann. Aber es ist so unwirklich, bis es wirklich so weit ist. Da ist so viel Hass in dieser Welt. So viel Hass. Wo kommt dieser Hass her? Wo haben sie gelernt so zu hassen? 
Wir hassen nicht, noch nicht. Wir sind fassungslos. Unsere Fassungslosigkeit weicht der Trauer. Und irgendwann, da weicht unsere Trauer dem Zorn, ja vielleicht dem Hass. Und der Hass, der Zorn weicht dem Vergessen, dem Verdrängen, irgendwann.
Aber ich glaube, zumindest die Angst wird bleiben. 

Es war Freitag der 13. Kein ganz normaler Freitag. 

Ich habe lange überlegt, ob ich diesen Beitrag schreiben sollte. Es erschien mir aber falsch, einfach einen normalen Fotopost zu machen. Die Ereignisse in Paris haben mich bewegt und schockiert und es war mir wichtig, das zum Ausdruck zu bringen... 

8 liebe Kommentare ♥

» Ally Shiny | 14. November 2015 um 15:38

Danke für deine tollen Worte.
Ich war gestern im Bad und wollte danach eigentlich ins Bett gehen, als ich von unten den Fernseher hörte.
Ich konnte nicht glauben was ich da mitbekam und lief runter.
Darauf habe ich mit meiner Familie fast eine Stunde vor dem Fernseher gesessen und konnten es nicht glauben.
Ich wünsche den Angehörigen der Opfer und allen Bewohnern Paris ganz viel Kraft.

#PrayforParis

» Darja | 14. November 2015 um 16:51

Danke für diesen Post! Mir geht es ähnlich und trotz Fotoblog habe ich mich entschieden, einen Post darüber zu schreiben. Ich persönlich fühle mich sehr verbunden mit Frankreich, habe dort und auch in Paris einige Freunde und mich haben die Geschehnisse tief im Herzen getroffen. Ich bin fassungslos, konnte den gesamten Tag an nichts anderes denken und weiß immer noch nicht, wie ich mich fühlen soll. Trauer, Leiden, Mitleid oder doch eher Angst und Wut? Ich verstehe einfach nicht, wie es Menschen gibt, die so etwas zu tun vermögen!

» Kathi | 14. November 2015 um 17:15

Sehr gefühlvolle, bewegende Zeilen. Ich musste mir dazu auch etwas von der Seele schreiben. Ich habe die Hoffung, dass die Ereignisse die Menschen näher zusammen bringen, aber auch Angst, dass das Gegenteil passiert. Ein heftiges Thema, das uns alle betrifft. Alles Liebe Dir!

» Sabrina Haselbach | 15. November 2015 um 10:38

Habe auch darüber geschrieben und Charlie Chaplins Rede an die Menschheit verlinkt...
Ich denke es ist wichtig, das wir nicht in Angst verfallen, sondern das wir versuchen anzupacken und es zu ändern.
Es ist wichtig das wir die Menschen, die vor diesem Terror flüchten integrieren, das wir sie als gleich ansehen. Wir müssen in Europa zusammen halten, als Einheit und uns nicht zersplittern lassen durch extremistische Gruppen. Denn diese Terrorgruppen die jetzt aktiv sind waren auch einmal Randgruppen, wie hier in Europa. Und sie konnten nur so stark werden, da Menschen von ihnen eingefangen wurden. Ich schiele jetzt mal ein wenig auf gewisse Parteien in Deutschland, die Dinge versprechen - welche sie nicht halten können. Und ängstliche Bürger einfangen und radikalisieren, ich verwiese immer auf diesem ZDF Beitrag in der eine nett aussehende alte Dame zu einem wutverzerrtem Mensch mutiert.
Wir Menschen sind durch unsere Gefühle steuerbar und wenn wir sie nicht hinterfragen, ist es ein leichtes uns zu manipulieren und zu lenken.
Wichtig für mich ist, das wir Bürger anfangen etwas in der Gesellschat zu ändern, denn die Politik hat es scheinbar bis jetzt nicht hinbekommen unsere Welt sozialer zu gestalten. Denn erst die Angst vorm Verlust, lässt Menschen zu irgendwelchen Parteien überlaufen. Die Angst vor noch stärkerer sozialer Ungleichheit.

Wenn wir uns zersplittern lassen sind wir schwach, aber wir sind stark wenn wir gemeinsam etwas ändern die Welt positiver und gerechter zu machen.

» BLOND GIRL | 15. November 2015 um 11:44

Gelungener Beitrag, ich habe auch etwas zum Thema geschrieben und kann deine Meinung gut nachvollziehen..

Liebste Grüße aus Hamburg
Jenny von BLOND GIRL

» Paleica | 15. November 2015 um 12:42

das wirklich, wirklich schlimme ist, dass sie genau das erreicht haben, was sie wollten. unsere werte, die unsere vorfahren über so lange zeit erkämpft haben, machen uns angreifbar - das ist das paradoxe an der sache. es funtktioniert nur, wenn alle mitmachen. wir sind hilflos, wir sind machtlos, denn gegen derart willkürliche attentate kann man sich nicht schützen, sie können immer, zu jeder zeit und überall passieren - jedem von uns.

ich war vor fast genau einem jahr in paris. genau ein monat, bevor die anschläge auf charlie hebdo verübt wurden. und ich habe das gefühl, das paris das ich damals besucht habe, das europa, das ich damals bereist habe, das gibt es nicht mehr, denn in diesem einen jahr hat sich irgendwie alles verändert.

» Christine | 17. November 2015 um 10:52

Wenn solche Dinge passieren, wird einem wieder bewusst, über was für unwichtige Dinge man sich manchmal aufregt...

» paleica | 18. November 2015 um 10:11

liebe lea, ich wollte eigentlich nichts dazu schreiben, gestern haben dann dennoch einige worte den weg an die oberfläche gesucht, allerdings im bezug auf meine empfindung. ich finde es schön, dass viele die stille anteilnahme teilen können, denn an sich, zu der sache selbst, lässt sich nicht viel sagen, das sehe ich nach wie vor so.
das ist es ja. und das ist das schlimme. weil diese aktionen so und so damit einen gewissen erfolg haben. "jetzt erst recht" trifft es glaube ich gut. man muss sich heute bewusst sein (oder sollte das wohl immer), dass nichts im leben sicher ist und vor allem nicht, unsere zeit hier auf erden. danach sollte man handeln und sein leben ausrichten - soweit es geht natürlich.

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