Portraits fotografieren - Teil 2 - das eigentliche Shooting

Dienstag, 7. Oktober 2014 | 12 Kommentare

In meinem letzten Post habe ich schon den ersten Teil dieser kleine Reihe geschrieben. Dabei ging es um die Planung und Vorbereitung eines Portraitshootings. 
In diesem Post soll es nun mehr um das Shooting an sich gehen.
Ihr habt also den Tag, den Ort und die Uhrzeit für das Shooting mit eurem Kunden/Model abgestimmt und bereitet euch nun darauf vor. 
1. Tasche packen
Hier ein kleiner Überblick, was ihr alles mitnehmen solltet:
-Kamera
-euren liebsten Objektive (ich mag hier ja am Liebsten Festbrennweiten, aber das wäre schon wieder ein Thema für einen neuen Post)
-Speicherkarten
-Akku und Ersatzakku
-gegebenenfalls ein externer Blitz, ein Stativ oder auch ein Reflektor
-was zum Schreiben
-Visitenkarten von Euch, die ihr am Schluss verteilen könnt
-ggf. Quittungsblock
-Insektenschutzspray (das soll kein Witz sein... diejenigen die über meine Bremsenqual gelesen haben, wissen, warum ich das nun immer dabei habe ;))
-uuuund: alles, was ihr sonst noch mit dem Kunden/Model abgesprochen habt. Bei mir sind das also häufig Accesoires, wie zum Beispiel Blumenkränze oder besonderer Schmuck, oder auch Schminkzeug.


2. Der Beginn des Shootings
Versucht bei eurem Shooting am Besten ein paar Minuten eher da zu sein. Natürlich kann aber auch immer mal etwas dazwischen kommen: für solche Fälle lasse ich mir meist die Handynummern meiner Kunden/Models geben, damit man im Schlimmsten Fall kurz Bescheid sagen kann, dass man ein bisschen später kommt. 
Ist man dann vor Ort, ist es mir immer extrem wichtig, ein freundliches Klima zu schaffen. Ich frage so also von Anfang an, ob es okay ist, wenn man sich duzt (in der Regel ist das bei Mädels in meinem Alter ja ohnehin selbstverständlich, aber auch bei Hochzeitspaaren, die ich fotografiere, mache ich das beispielsweise so). Schön ist es auch immer, erst einmal ein bisschen das Gespräch aufzubauen. Was machen Eure Kunden beruflich/schulisch, was haben sie für Interessen,...? Ganz wichtig: fragt sie, warum sie das Shooting machen. So kommt ihr wie gesagt ins Gespräch und sie fühlen sich wohler, und vor allem erfahrt ihr somit noch direkt wichtige Dinge: wollen sie zum Beispiel die Fotos für Oma&Opa zu Weihnachten haben? Oder soll es als Foto auf der Einladungskarte zur Firmung verwendet werden? Als Facebook Profilbild? Alles denkbare Möglichkeiten, die euch aber ganz klar die Richtung zeigen, in die das Shooting gehen darf und soll.
3. Noch einmal kurz den Ablauf erklären
Während man dann so langsam zu dem ersten Fotoort läuft, erkläre ich meist noch einmal kurz den Ablauf. Eure Kunden/Models wissen das zwar in der Regel schon vom Vorgespräch, aber es schadet ja nie, das noch einmal zu wiederholen. So stelle ich zum Beispiel von Anfang an heraus, dass sie gerne jederzeit Ideen einbringen können und frage auch, ob sie Beispielbilder mitgebracht haben. Ich gebe auch meist einen kleinen Überblick zu der Location (Beispiel: "Wir sind hier an einer Burg, wie ihr seht, haben wir hier sowohl die Möglichkeit, Fotos mit den schönen Gebäuden zu machen, aber ein bisschen weiter hinten sind auch noch schöne Felder und Waldwege, wo man auch Fotos komplett in der Natur machen kann,...."). 

4. Die Bilder
Dann kann es auch schon losgehen mit den ersten Bildern. Versucht an einem Ort zu beginnen, wo es für eure Kunden/Models relativ einfach ist, zu posen. Das heißt, stellt sie nicht mitten ins "Nichts", wo sie komplett auf sich selbst angewiesen sind, sondern lasst sie zum Beispiel auf einer Bank sitzen oder an einer Wand stehen. Gerade zu Anfang ist es wichtig, dass sie sich wohl fühlen und sich nicht blöd vor der Kamera vorkommen. Ihr werdet sehen, mit der Zeit werden eure Kunden/Models viel lockerer und bringen auch selbst mehr Ideen ein. Es ist ja völlig klar, dass sie euch auch erst einmal kennen lernen müssen und für wen wäre es nicht ungewohnt, hinter einer Kamera von einer völlig fremden Person zu stehen... :)
Aus diesem Grund zeige ich auch direkt nach den ersten paar Bildern die Ergebnisse. Ich weiß, jeder Fotograf handhabt das anders und nicht jeder möchte die Bilder zeigen, aber mir ist das sehr wichtig. Ich habe einfach oft die Erfahrung gemacht, dass Kunden/Models einfach oft mehr Vertrauen hatten, nachdem sie die ersten Bilder gesehen haben. Ein "Oh, das sieht ja richtig schön aus, hätte ich gar nicht gedacht" hört man da nicht selten. Und selbst wenn die Bilder nicht so gefallen sollten - dann habt ihr wenigstens von Anfang an die Möglichkeit dies zu ändern und mehr auf die Wünsche der Kunden einzugehen.
5. Das Posing
Zu Anfang gebe ich meist relativ ausführliche Anweisungen, wie die Personen stehen und gucken sollen. Eigentlich ist das aber etwas, was ich gar nicht so gerne mag. Ich mag viel lieber solche Fotos, die natürlich wirken und wo die Personen nicht wie bestellt und nicht abgeholt in die Kamera gucken. Daher halte ich mich nach der Zeit mit meinen Anweisungen zurück und man hört auch durchaus mal den Satz "Tut jetzt mal so, als wäre ich gar nicht da" von mir. Schön ist es immer, wenn bei Einzelportraits eine Freundin oder ein Freund der Person dabei ist und ein paar Witze macht und so für ein natürliches Lachen sorgt.
Versucht euch beim Thema Posing einfach ein bisschen in die Personen hineinzuversetzen. Ihr werdet schnell merken, ob es sich um jemanden handelt, der lieber ein paar mehr Anweisungen haben möchte, oder ob die Person auch selbst gute Ideen hat und sich selber mehr einbringen möchte. 
6. Der Abschluss
Zu Ende des Shootings werden - nach Wunsch - noch einmal alle Fotos angeschaut. Dann werden noch einmal die wichtigsten Punkte zusammen gefasst und geklärt:
-Wie sieht es ggf. mit der Bezahlung aus? --> bekommen eure Kunden eine Rechnung, bezahlen sie bar, gibt es eine Quittung?
-Wie viele Fotos dürfen sie sich aussuchen, in welcher Form bekommen sie diese (per CD, als Print, oder zum Download über Dropbox o.Ä.)?
-Wie genau können sie sich die Fotos zum Bearbeiten aussuchen? (wird es direkt vor Ort gemacht, bekommen sie eine Online-galerie dafür?)
-Wann können sie mit den Fotos rechnen?
-andere offene Punkte, die sich evtl. aus dem Shooting ergeben haben
Schreibt euch in jedem Fall die Kontaktdaten der Personen auf, so habt ihr die Möglichkeit im Zweifelsfall noch einmal nachzufragen. 
Zu guter Letzt gebt euren Kunden/Models gerne noch ein paar Visitenkarten mit und bittet auch darum, dass sie euch weiterempfehlen (ein bisschen Eigenwerbung hat schließlich noch nie geschadet ;)).
7.  Nachbereitung
Im Nachhinein werden dann wie mit dem Kunden/Model besprochen die Fotos bearbeitet und zur Verfügung gestellt. Fragt hier auch gerne nochmal nach Meinungen oder Verbesserungsvorschlägen fürs nächste Mal und bedankt euch noch einmal für den Auftrag/die Zusammenarbeit. 
Falls ihr die Fotos auf Facebook oder eurem Blog zeigen möchtet, macht dies auf keinen Fall ohne zu fragen. Es ist manchmal ein bisschen unangenehm, das zu fragen, aber auch ein ehrliches "Nein, ich möchte nicht, dass meine Fotos gezeigt werden" ist ja in den meisten Fällen nur gut gemeint und hat einfach damit zu tun, dass viele Menschen nicht so viel von sich im Internet haben möchten. 
...wenn diese Punkte dann alle geklärt sind, ist der Auftrag für euch abgeschlossen und ihr dürft euch erneut auf die Suche und an die Vorbereitung von neuen Shootings machen.. :)

Ich hoffe diese kleine Reihe hat euch gefallen und hat vielleicht auch noch dem ein oder anderen ein bisschen geholfen. Ich freue mich riesig über Meinungen! ♥




12 liebe Kommentare ♥

» christine polz | 7. Oktober 2014 um 17:01

Da das ja mein täglich Brot ist, muss ich dazu wohl eher nichts mehr hinzufügen. ;)
Allerdings hab ich mir jetzt schon öfter gedacht, dass ein Insektenspray echt nützlich gewesen wäre. Wir haben auch extrem viele Mücken und grad bei den letzten zwei, drei Shootings war's echt extrem...

Manche Menschen sind wohl einfach an sich dumm... ich hatte bis zum Schluss das Gefühl, dass der Herr das mit dem geklauten Foto gar nicht kapiert hat...

Das ist eben so eine Sache. Bei mir kommt's ja jetzt auch einfach auf die Aufträge an. Und hin und wieder ist eben auch mal ein Model dabei wo man sich denkt: mhm. Tja...
Aber die meisten machen ihre Sache ziemlich gut. Generell sind das ja auch immer diejenigen, die dann wirklich davon leben können und damit ihr Geld verdienen.
Man wird natürlich mit der Zeit auch immer anspruchsvoller und siebt auch ziemlich gnadenlos aus. Wenn man schon mal ein Model gehabt hat, wo's nicht passt, holt man sich das nicht noch mal usw.

Bei uns ist das mit dem Herbst auch noch so eine Sache. Also so richtig bunt ist es hier jetzt noch nicht...

» Johnny | 7. Oktober 2014 um 18:15

wunderhübsch<3
xoxo

» Fee | 7. Oktober 2014 um 22:46

Echt ein toller und interessanter Post :)
Alles Liebe,
Fee von Floral Fascination

» Lea | 8. Oktober 2014 um 14:19

Hey Lea :)
Ich finde beide Teile dieser Postreihe von dir sehr interessant und hab mir alles durchgelesen (deine Homepage übrigens auch), weil mich total interessiert hat, wie du deine Shootings so machst und was für dich alles dazu gehört!
Also ich hab das bis jetzt öfter so gemacht, dass ich auf dem Pc Collagen mit Inspirationsbildern für ein Shooting zusammengestellt habe.
Danke, ich denke mein Start in die Schule war ganz in Ordnung, mit ein paar Ausnahmefächern...
Ich hoffe wir sehen uns am Freitag :) Heute hat es nicht geregnet, also besteht noch Hoffnung :D
Liebe Grüße, Lea

» Janne von meeresrauschen | 8. Oktober 2014 um 20:58

Liebe Lea,

noch einmal vielen Dank für diese Posts! Du hast mir sehr weiterhelfen können - mit dieser "Anleitung" kann ich mich nun ganz entspannt an Shootings wagen.
Es freut mich, dass du dir diese Mühe gemacht hast uns so zu helfen!

Deine Kunden sind bestimmt immer sehr zufrieden mit dir und deiner Arbeit :-)

Viele Grüße,
Janne von meeresrauschen

» Julias Wolfsmädchen | 9. Oktober 2014 um 11:28

Der Post ist wieder einmal sehr interessant. Ich finde es super, dass du auch etwas dazu schreibst wie man mit Kunden umgeht. Gerade für Anfänger sind es sehr hilfreiche Tipps um ein entspanntes Klima zu schaffen.
Falls du es noch nicht geplant hast, fänd ich einen post über deine Objektive sehr interessant. Welche du so hast, was du für Erfahrungen gemacht hast und was auch deine Wünsche sind, Objektive die du in naher Zukunft mal haben möchtest.

Mit dem etwas mehr persönlich werden ist wirklich schwieriger als gedacht. Leider habe ich sehr wenig Leser und kann noch nicht beurteilen, was diese jetzt interessant finden und was nicht. Aber ich werde das mal genauer beobachten. :)

» Rubina | 9. Oktober 2014 um 16:19

wunderbare bilder!
biancarubina.blogspot.com

» Julia. | 10. Oktober 2014 um 17:37

Haha, danke. So in der Art hatte ich mir das auch vorgestellt, nur ich dachte eigentlich das es schöner aussieht. Du solltest unbedingt mal zu The Sting gehen, da gibt es echt viele schöne Sachen und die hat nicht jeder. Besonders im Sale gibts echte Schnäppchen :)

Deine Bilder finde ich so schön :) Deine Models sehen immer so natürlich aus und strahlen Lebensfreude aus. Du hast wirklich Talent, Momente einzufangen!

» Janne von meeresrauschen | 11. Oktober 2014 um 09:03

Danke für deinen Kommentar! Ich werde auf jeden Fall berichten, sobald ich deine Tipps aktiv angewendet habe :-)

Und es freut mich, dass dir meine herbstlichen Fotos gefallen! Dies von einer Fotografin zu hören, bedeutet mir viel.

Ein schönes Wochenende wünsche ich dir!
Liebe Grüße,
Janne von meeresrauschen

» Miri | 12. Oktober 2014 um 01:00

Hallo Lea,

deine Postreihe ist wirklich sehr spannend für mich! Freu mich schon, deine Tipps in die Praxis umzusetzen.

Übrigens habe ich es jetzt endlich geschafft einen "Follow me via Blog-Connect" Button auf meine Seite zu packen. Also, wenn du die Erste sein möchtest, die mir über Blog Connect folgt, dann kannst du das jetzt gerne tun :)

Schönen Sonntag,
Miri

» Judith | 6. August 2015 um 22:01

Hey Lea,
bin gerade noch einmal auf diesen Post gestoßen und frage mich, ob du künstliche Blumenkränze hast (wo bekommt man solche, die nicht zu künstlich aussehen?) oder ob du immer frische Blumenkränze zu Shootings mitbringst?
Die Anleitung ist so echt super! Danke für deine Auflistung!
Judith

» Cleo Schreibwelt | 29. Januar 2016 um 21:41

du begeisterst mich von Post zu Post mehr. Ich bin so froh auf deinen Blog gestossen zu sein und nun mehr über die Fotografie lesen zu können

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