Portraits fotografieren - Teil 1 - Planung

Freitag, 3. Oktober 2014 | 12 Kommentare

Ihr Lieben.
Im heutigen Post möchte ich ein bisschen darüber erzählen, wie ich an Portraits rangehe und was mir bei solchen Shootings wichtig ist.
Dabei soll es in diesem Post eher ein bisschen darüber gehen, was im Vorhinein zu planen und beachten ist und im zweiten Post möchte ich über das eigentliche Shooting sprechen.
Es wird also wieder viel Text geben, aber bei diesem Thema lässt sich das leider nicht ganz vermeiden ;)
1. DAS ERSTE GESPRÄCH
Jedes Shooting beginnt in der Regel mit einem ersten Gespräch mit dem Kunden oder eurem Model. Hier solltet ihr zunächst einmal so genau wie möglich klären, was für Fotos gewünscht sind und ob die Vorstellungen zu Euren Möglichkeiten und zu Eurem Bildstil passt. Jemand, der beispielsweise ganz klassische Studioportraits haben möchte, wäre bei mir falsch aufgehoben. Diese Punkte sollte man von Anfang an klären und im Zweifelsfall auch ruhig nein sagen, wenn man sich sicher ist, dass man die Wünsche nicht umsetzen kann. Wenn aber beide Seiten zusammen passen, was zum Glück oft ja der Fall ist, geht es weiter mit der Planung.

2. PREISE
Als nächstes wird in der Regel der Preis für das Shooting geklärt. Ist dem Kunden bewusst, wie viel er euch zahlen muss, wie sieht es mit zusätzlich bearbeiteten Bildern aus oder auch Prints? Hier ist es mir immer wichtig, von Anfang an ganz klar darüber zu sprechen. Ich möchte nicht, dass meine Kunden nachher unangenehm mit einer unerwartet hohen Rechnung überrascht werden. Außerdem gibt es auch Euch ein ungutes Gefühl, wenn der Kunde damit unzufrieden ist. Von Anfang an mit offenen Karten spielen ist hier also meine Devise. 
Wenn ihr natürlich ein Model für ein Shooting habt, solltet ihr klären, ob das Shooting auf TFP Basis stattfindet (sprich für Model und Fotografen kostenlos) oder ob ihr dem Model Geld bezahlen müsst. 
3. BILDIDEEN
Ist auch das Finanzielle geklärt und wurde ein Termin für das Shooting festgelegt, geht es darum, die genauen Bildideen und Vorstellungen auf eine gemeinsame Basis zu bringen. Hier frage ich immer, ob bestimmte Bilder gewünscht sind, oder ob man mir die Gestaltung überlassen möchte. Prinzipiell ist natürlich beides möglich und beides ist auch gleich gut umsetzbar. Hat der Kunde seine eigenen Ideen, schadet es aber nicht, sich die Bilder im Vorhinein zeigen zu lassen um ein Gefühl zu haben, was der Kunde möchte. 
Anders herum ist es natürlich genauso denkbar. Shootet ihr mit einem Model, schadet es mit Sicherheit nicht eurem Model ein kurzes sogenanntes "Moodboard" zu schicken, welches verschiedene Stimmungen und Eindrücke zeigt, wie ihr euch das Shooting und die Bilder in etwa vorstellt.
Beispiel eines meiner Moodboards für ein Meershooting, welches dann leider aufgrund von schlechtem Wetter abgesagt werden musste...
4. LOCATION
Aufbauend auf die Bildideen wird dann die geeignete Location gesucht. Achtet hier auf jeden Fall darauf, dass die Loaction zu den Bildideen passt. Jemand, der romantische Portraits mit einem langen rosa Traumkleid haben möchte, passt in der Regel nicht in einen Lost Place mit Graffitti an der Wand. Darüber hinaus ist es sehr wichtig, dass ihr einen ruhigen Hintergrund habt. Achtet darauf, dass beispielsweise keine fahrenden Autos im Hintergrund zu sehen sind (außer dies ist gewollt) oder irgendetwas, das stören könnte. Wichtig ist auch, dass der Ort von wenigen Menschen besucht wird. Die meisten Personen haben ja noch nicht so oft ein Fotoshooting gehabt und sollen sich hinter der Kamera ja wohl fühlen - mit ständigen Kommentaren von Passanten kann es schnell nervig und angespannt werden. ACHTUNG: Bei einigen Locations benötigt ihr eine offizielle Erlaubnis zum Fotografieren, zum Beispiel in einigen Botanischen Gärten oder auch in Parkanlagen, etc. Seid ihr euch hier unsicher, klärt dies gleich zu Beginn ab. Die zugehörige Stadt oder Gemeinde kann Euch oft weiterhelfen und sei es auch nur, indem sie Euch an den entsprechenden Ansprechpartner verweisen.
Stellt euch dieses Bild mit der gleichen Pose in einer anderen Umgebung, beispielsweise auf einem einfachen asphaltierten Platz vor: es wäre einfach nicht das Gleiche!
5. KLEIDUNG UND STYLING
Auch hier gilt: Kleidung und Styling sollte in jedem Fall zu der Bildidee passen. Versucht euch bei diesem Thema ein bisschen einzufühlen, inwieweit der Kunde hier Hilfe benötigt und haben möchte, oder gerne selber entscheiden möchte, was er anziehen wird. Mein Grundsatz Nummer 1 lautet immer: Kleidung, in der man sich wohl fühlt und die man gerne trägt. Im Frühling und Sommer mag ich immer helle, pastellfarbene Kleidungsstücke sehr gerne und im Herbst die klassischen Herbstfarben. Im Winter darfs dann auch gerne mal eine dicke Winterjacke mit schönen Handschuhen und Mütze sein. Der Kunde sollte aber in keinem Fall das Gefühl haben, sich verkleiden zu müssen, denn dann werden die Fotos auch nicht ihn selbst zeigen... :)
Das Styling halte ich bei "normalen" Kundenshootings immer sehr neutral. In der Regel stylen die Kunden sich selber. Ein guter Tipp ist hier immer: der Style sollte so sein, wie man es auch im Alltag tragen würde. Ein bisschen Make up, Rouge, ein dezenter Lippenstift und leicht betonte Augen sind eigentlich nie verkehrt. Wichtig ist hier aber: weniger ist mehr. Bittet die Kunden lieber, Make up für den Fall der Fälle mitzunehmen, denn mehr geht immer, aber vor Ort abschminken ist immer ein bisschen schwieriger.. ;)
Hier passt natürlich alles sehr schön zusammen. Das dezente Make-up, die Blumen in den Haaren und das helle, pastellfarbene Kleid passen perfekt zu den Seifenblasen und dem romantischen Bildlook. Würde sie beispielsweise eine Lederjacke mit Nieten tragen, wäre das Bild wieder etwas komplett Anderes... 
 Zu guter Letzt bleibt noch zu sagen: Ich hoffe, dass euch dieser erste Teil der Portraits-fotografieren-Reihe gefallen hat und in Kürze gibt es dazu den zweiten Teil "Das eigentliche Shooting"!


12 liebe Kommentare ♥

» Jennie Z | 3. Oktober 2014 um 21:54

Ein sehr guter Post! War wirklich interessant zu lesen! :)
Liebe Grüße
Jennie

» Isa | 3. Oktober 2014 um 21:59

Super interessanter Post, freue mich schon auf den nächsten Teil! :)

» Fee | 3. Oktober 2014 um 23:25

Sehr schöner Post :) Ich freu mich sehr auf den zweiten Teil, ich steh ja mehr vor der Kamera als dahinter :) Leider habe ich immer das Problem, dass ich ganz schön Zeit brauche um "warm zu werden". Am Anfang ist mein Gesicht immer so unentspannt, ich bin leicht unsicher und weiß nicht wohin mit meinem Körper :D Dabei fotografiert mich ja meistens nur mein Papa. Aber die letzten Bilder sind immer am Schönsten, bei Outfitbildern ist das ziemlich blöd, weil ich dann meistens ein Dutzend brauchbare Detail und Porträtbilder habe, aber kaum Ganzkörperbilder mit einem entspannten Gesichtsausdruck. Also vielleicht wäre es auch für den nächsten Post interessant zu lesen, wie du mit sowas bei deinen Models umgehst, falls das vorkommt :) Mir hilft es beim Auftauen und sicherer werden zum Beispiel immer, wenn ich höre dass es gerade schön aussieht :D
Alles Liebe,
Fee von Floral Fascination

» Jana | 5. Oktober 2014 um 13:49

Hey,
ich hab dich bei mir vorgestellt und mir mal ein paar Bilder gemopst, hoffe das ist ok ;)

Der Post ist wirklich sehr interessant und hilfreich!

Liebe Grüße ♥

» Dandelion | 5. Oktober 2014 um 14:30

Dein Blog ist wirklich toll. Dein Porträt Tutorial war sehr interessant zu lesen :)
Liebe Grüße

» Janine | 5. Oktober 2014 um 15:56

wow das ist super erklärt :) ich glaube ich werde mich mit meiner freundin auchmal an portraits versuchen :)

» Miri | 5. Oktober 2014 um 19:40

Hey, habe dich über Janas Blog gefunden und bin sehr froh darüber!
Dein Blog ist super schön und für mich sehr interessant, weil ich gerade immer mehr in die Fotografie einsteige. Momentan kommt zwar eher Essen vor meine Linse, aber ich möchte so langsam auch in die Portraitfotografie einsteigen. An Freunden und Familie habe ich schon geübt, aber vor einem "richtigen" Shooting mit einer fremden Person als Model habe ich noch ziemlich Schiss. Dein Post ist für mich deshalb richtig spannend und ich freue mich schon auf den nächsten.

Ich schaue mich mal weiter um und werde dich auf jeden Fall abonnieren, um nicht den nächsten Post zu verpassen :)

Liebe Grüße,
Miri

» Luna | 5. Oktober 2014 um 23:27

Was für ein toller Post, ich freu mich schon auf Teil 2! Danke für deine Antwort, ein Tutorial wäre toll und könntest du mir vielleicht noch sagen mit welchem Programm du deine Wasserzeichen machst und ob du das allgemein empfehlen würdest? Das wäre wirklich total nett, Danke im Voraus :)
Liebste Grüße,
Luna

» Janne von meeresrauschen | 6. Oktober 2014 um 17:18

Vielen Dank für diesen hilfreichen und sehr informativen Post!!
Ich bin durch eine Blogvorstellung auf dich gestoßen und freue mich darüber, solch einen wunderbaren Blog entdeckt zu haben. Hier komme ich auf jeden Fall wieder - ich habe dich gleich mal abonniert, damit ich keins deiner tollen Fotos verpasse :-)

Liebe Grüße,
Janne von meeresrauschen

» Nicole Pauluhn Photography | 6. Oktober 2014 um 20:32

Ich handhabe es bei meinen Shootings genauso und habe damit bisher auch nur gute Erfahrungen gemacht. Trotzdem sehr schön zu wissen, dass andere es genauso machen, es ist doch eine gewisse Bestätigung. Dein Blog steht übrigens ab sofort auf meiner Leseliste!

Liebe Grüße,
Nicole
http://nicolepauluhnphotography.blogspot.de/

» Julias Wolfsmädchen | 6. Oktober 2014 um 20:58

Ein wirklich sehr hilfreicher Post liebe Lea. Ich bin schon sehr gespannt auf den nächsten Post von dir!
Eine Idee von dir werde ich mir auf jeden Fall "klauen". Das Moodboard! Wirklich eine tolle Idee. Jetzt muss ich nicht mehr versuchen mit Händen und Füßen zu erklären was für eine Bildsprache ich erreichen will. Vielen lieben Dank! :)

» Neeli (Tenzi) | 6. Oktober 2014 um 22:03

Hey

Danke für die Tipps. Ich fotografiere auch total gerne.
Ich möchte mich auf jeden Fall noch weiter verbessern.

Liebe Grüße, Neeli
von My Thousend Words

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